KELAG - Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft

Die neuen EU-Richtlinien offensiv angegangen
 

Die Kelag Kärntner Elektrizitäts-AG hat ihre Prozesse bereits an die Anforderungen des deregulierten Marktes angepasst. Gemeinsam mit der DSC Unternehmensberatung und Software GmbH modernisierte der österreichische Konzern seine IT-Systeme. So kann das Unternehmen die aktuellen EU-Richtlinien in den Abläufen berücksichtigen. Die Lösungen sind zudem so flexibel gestaltet, dass auch künftige, bisher noch nicht definierte Vorschriften schnell umsetzbar sind.

Modern, kompetent, zukunftsorientiert – so charakterisiert sich die Kelag Kärntner Elektrizitäts-AG auf ihrer Homepage. Hohe Ansprüche, die nicht nur geschrieben stehen, zählt sie doch zu den Pionieren bei der Umsetzung der neuen EU-Richtlinien zum Unbundling. Bereits im Frühjahr 2003 begannen die internen strategischen Planungen der Unternehmensleitung zur Umsetzung des informatorischen und gesellschaftsrechtlichen Unbundling. Dabei wurden in erster Linie die Auswirkungen auf die künftige Unternehmens- und Organisationsstruktur sowie die Geschäftsprozesse analysiert. Anfang 2005 gründete der Konzern eine eigene Netzgesellschaft, die KELAG Netz GmbH. Über ein Pachtmodell blieb das Eigentum am Netz jedoch bei der Kelag AG. Auch den Kundenservice übernimmt eine eigene Dienstleistungsabteilung innerhalb der Holding. Diese Neustrukturierung der Geschäftsprozesse erforderte analog eine Umstrukturierung der Unternehmenssoftware. So entschied sich Kelag, gemeinsam mit DSC die Systemumstellung in der Komponente SAP for Utilities zu realisieren.

 
Systemumstellung ohne Beeinträchtigung des Produktivbetriebs
Nach dem Kick-off im April 2004 startete sofort eine zweimonatige Detaillierungsphase. Im direkten Anschluss daran begann das Projektteam, das gesamte System umzustellen. Um die Umstellung schrittweise und ohne Beeinträchtigung des Produktivbetriebs durchführen und testen zu können, wurden innerhalb der bestehenden Entwicklungs- und Testsysteme neue Mandanten aufgebaut.

Schwerpunkt der Umstellung stellte die Komponente SAP for Utilities dar. Da die von SAP ausgelieferten Musterprozesse für den deregulierten Markt, Lieferantenwechsel und Netznutzungsbearbeitung bzw. Zahlungsabwicklung genutzt werden sollten, war zunächst das Datenmodell entsprechend zu erweitern. Die Entscheidung fiel hier auf das 2-Vertragskonten-Modell mit getrennten Buchungskreisen für Netz und Vertrieb. Damit hat das Unternehmen ein kostengünstiges und zukunftssicheres Systemmodell gewählt, mit dem sich entsprechende Zugriffsauthorisierungen auf wirtschaftlich sensible Daten sicherstellen lassen. Nachdem die notwendigen konzeptionellen Vorarbeiten abgeschlossen und die erforderliche Deregulierungs-Infrastruktur eingerichtet war, begann das Projektteam mit dem Aufbau des neuen Datenmodells. Für die Umstellung entschied man sich für eine vollständige Datenmigration sowohl der Core-Komponenten als auch der Branchenkomponente SAP for Utilities in einen neuen Mandanten. Für die Migration der Daten von IS-U nach IS-U wurde das von der DSC entwickelte Migrationstool “IS-U Select“ verwendet.

Automatisierte Geschäftsabläufe führen zu mehr Effizienz

Nachdem die Geschäftsabläufe analysiert waren, mussten sie in Netz-/Vertriebsprozesse oder übergreifende Prozesse klassifiziert werden. Dementsprechend war auch die bisher verwendete Oberfläche des Customer Interaction Centers (CIC) nach diesen Aspekten neu zu gestalten. Großen Wert legten die Projektverantwortlichen auf eine effiziente und weitgehend automatisierte Prozessabwicklung. Zudem wollte die Kelag den Umstieg für die Mitarbeiter erleichtern. Unterschiedliche Datenkonstellationen wie sie bei der Versorgung eines Endkunden an einem Zählpunkt vorkommen, sollten in den Prozessen berücksichtigt und abgefragt werden können. Um diese Forderungen zu realisieren, entwickelten die Projektmitarbeiter zahlreiche Methoden neu. Die von SAP ausgelieferten Muster, z. B. für den Lieferantenwechsel, passten die Experten exakt an die Bedürfnisse des Unternehmens an. Auch die österreichischen Marktregeln fanden die notwendige Berücksichtigung. Das Fristenmanagement und die Überwachung der Prozesse wird durch leistungsfähige Workflows abgesichert. Eine neu aufgebaute leistungsfähige Kommunikationsplattform mit der Komponente IS-U-IDE garantiert nun den umfassenden und unternehmensübergreifenden Datenaustausch. Egal ob Rechnung, Verbrauch, Messung oder sonstige energienahen Informationen, die neue Plattform führt alle ein- und ausgehenden Daten zusammen.
 
Besonderes Plus der Einführung: Als reine Vertriebsanwendung wurde auf Basis des DSC Add-Ons „HTML-Kun-
denübersicht“ eine eigene Oberfläche entwickelt, die dem Vertrieb – abhängig von der Versorgungssituation des Endkunden am Zählpunkt – den Zugriff auf wirtschaftlich sensible Daten ermöglicht oder verwehrt, je nach Bedarf. Auch die Adressdaten des Geschäftspartners lassen sich dabei über einen Replikationsmechanismus verwalten. Datenbasis und Präsentationssicht sind vollständig voneinander getrennt. Informationen werden nur gefiltert und temporär aus der Kernanwendung angezeigt. Die webbasierte Anwendung erlaubt dem Vertriebsmitarbeiter auch von unterwegs auf seine Daten zuzugreifen. Möglich ist darüber hinaus, Auswertungen oder Transaktionen einzubinden. Von den Fachbereichen – insbesondere vom Vertrieb – benötigte Auswertungen, wurden deshalb komplett überarbeitet oder ins SAP BW verlagert.

Verschlankte Tariflandschaft reduziert den Pflegeaufwand

Um den Anforderungen des Unbundling auch im Bereich Billing bzw. Invoicing zu genügen, wurde die vorhandene Tarifstruktur komplett überarbeitet und angepasst. Ziel war, eine eindeutige Verbindung der Tariftypen zu den Produkten herzustellen. Im bisherigen System war die Übereinstimmung Tariftyp gleich Produkt nicht gegeben, denn das letztlich abzurechnende Produkt war erst in Kombination mit den am Zählwerk einzutragenden Tarifarten zu ermitteln. Weiteres Ziel war eine allgemeine Verschlankung der Tariflandschaft. Dies verwirklichte das Unternehmen durch einen modularen bausteinartigen Tarifaufbau. In diesem Konzept werden Tarife lediglich als Rechenoperationen verstanden, die sich in beliebiger Weise kombinieren lassen. Dadurch verringert sich das Tarifcustomizing um etwa 70 Prozent. Zudem verzichtete der Versorger auf die Unterscheidung in verschiedene Abrechnungsklassen. Insgesamt trug dies dazu bei, die Abläufe wesentlich effektiver zu gestalten.

Für die Bereiche Netznutzungsbearbeitung und Zahlungsabwicklung im deregulierten Markt setzt die Kelag ebenfalls die von der SAP ausgelieferten Musterprozesse ein. Das Projektteam passte diese im Vorfeld allerdings an vielen Stellen unternehmensspezifisch an und optimierte sie. Abzubilden sind nun einerseits die Prozesse zu externen Marktpartnern und andererseits zwischen Netz und Vertrieb im eigenen System. Vorhandene Lösungen zur Rechnungseingangsverarbeitung wie etwa das Scannen und Buchen von eingegangenen Rechnungen müssen ebenso berücksichtigt werden wie die Ausprägung der automatisierten Rechnungseingangsprüfung.

 

Migration in nur zwei Wochen

Die Produktivsetzung des Systems für den Core-Bereich erfolgte bereits im Dezember 2004. Die Komponente SAP for Utilities startete nach nur zweiwöchiger Migration noch im Januar 2005. Dabei galt es zu beachten, dass der Betrieb in den Core-Komponenten bereits aufgenommen wurde, so dass hier eine genaue zeitliche Abstimmung erfolgen musste. Die ersten Abrechnungen und Massenläufe konnten unmittelbar nach der Freigabe des Systems durchgeführt werden.

Das Projekt zeigte, dass ein umfassender Projektansatz notwendig ist, um die Deregulierung umzusetzen. Denn alle Unternehmensteile und Geschäftsprozesse sind von den Auswirkungen betroffen. Dementsprechend setzte sich das Projektteam zusammen. Sowohl externe als auch interne Mitarbeiter arbeiteten gemeinsam an der Umstellung. Der endgültige Umbau der Datenverarbeitungssysteme war dann der letzte große Schritt auf diesem Weg. Besonders wichtig bei Wahl der Lösungsalternative sind Flexibilität sowie die Zukunfts- und Investitionssicherheit. Denn bei allen diesbezüglichen Umstellungen bleibt zu beachten, dass auch nachträgliche Änderungen durch den Gesetzgeber oder Regulator berücksichtigt und schnell umgesetzt werden können. Schließlich sind viele Anforderungen noch nicht endgültig definiert. Die Kelag AG hat diesen Anspruch gemeinsam mit den Beratern der DSC in vollem Maß verwirklicht.

Folgende Teilprojekte werden durch DSC besetzt:

- Projektleitung und Qualitätssicherung
- Datenmigration
- CIC/Kundenservice und Prozesse
- HTML-Kundenübersicht für den Vertrieb
- Lieferantenwechsel/Workflows
- Unternehmensübergreifender Datenaustausch (IDE)
- Abrechnung/Fakturierung
- Netznutzungsbearbeitung/Zahlungsabwicklung
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 


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