Hamburger Wasserwerke GmbH (HWW)

Bis zum letzen Tropfen



Herr Dr. Hanno Hames, Geschäftsführer der HWW, 14. Dezember 2004

Die Hamburger Wasserwerke GmbH hat gemeinsam mit DSC ihre Unternehmensabläufe mit SAP for Utilities umgesetzt. Die auf Standardprozesse in der Versorgungswirtschaft zugeschnittene Lösung wurde für Spezialanforderungen der Wasserwirtschaft erweitert

Die staatliche Stadtwasserkunst nahm 1848 in Hamburg-Rothenburgsort ihren Betrieb auf. 1924 wurde die Stadtwasserkunst aus der Staatsverwaltung ausgegliedert und in eine Gesellschaft des privaten Rechts umgewandelt: die Hamburger Wasserwerke GmbH (HWW). Sie ist die älteste zentrale Wasserversorgung auf dem europäischen Kontinent.
Komplex und mit Datenmassen angereichert – so lassen sich die aktuellen Geschäftsprozesse der HWW charakterisieren. Es werden nicht nur Ablesekarten, Verbrauchsabrechnungen, Lastschrifteinzüge sowie Mahnungen erstellt und jährlich mehr als 150.000 Wasserzähler gewechselt. Hamburg leistet sich noch eine regionale Besonderheit: Unabhängig davon, dass seit 1987 jede Neubau-Wohneinheit, wie vom Gesetzgeber gefordert, mit Wohnungswasserzählern ausgerüstet wird, sind die Eigentümer bestehender Gebäude seit 1994 verpflichtet, Wohnungen mit Wohnungswasserzählern nachzurüsten. Das erfordert eine hohe Individualität der eingesetzten Abrechnungssoftware.

Die ständig wachsende Anzahl von Kunden – entstanden durch den Einbau von Wohnungswasserzählern – sowie die Übernahme von Abrechnungsdienstleistungen für verschiedene Abwasserzweckverbände machen die Geschäftsprozesse der Hamburger Wasserwerke immer umfangreicher. „Turnus-, Zwischen- und Endabrechnungen sowie Mahnungen für die 520.000 Vertragspartner abzuwickeln, bedeutet, ein hohes Datenvolumen zu verwalten“, beschreibt Gudrun Rohde, Abteilungsleiterin IT der HWW, die wesentliche Anforderung.

Um diese Volumina möglichst reibungslos zu bearbeiten, setzte das Unternehmen seit 16 Jahren eine eigenentwickelte Softwarelösung ein. Das Altsystem war individuell auf die Hamburger Wasserwerke zugeschnitten und unterstützte die Abläufe mit einem hohen Automatisierungsgrad. Aufgrund der zunehmenden Datenmenge stieß die IT-Lösung jedoch an ihre Grenzen. Zudem gehört es zu den Kernkompetenzen eines modernen Dienstleistungsunternehmens, dass die Mitarbeiter im Call Center schnell und umfassend Auskünfte erteilen. Die langfristige Unterstützung solcher kundenorientierter Prozesse sollte mit der Einführung einer Standardsoftware ebenso gewährleistet werden wie Schaffung von mehr Flexibilität und durchgängiger Geschäftsabläufe.

Da die HWW SAP R/3 als Softwarebasis bereits nutzen, lag es nahe, auf SAP for Utilities zu setzen. Von der SAP-Branchenlösung für die Versorgungsindustrie wurde gefordert, die individuellen Prozesse des Unternehmens abzubilden – möglichst im Standard und bei gleichbleibendem Automatisierungsgrad. Als Beratungspartner holten sich die Hamburger DSC ins Boot. Nach rund 16-monatiger Projektlaufzeit wurde die SAP-Branchenlösung für die Versorgungsindustrie im Mai 2004 produktiv gesetzt.

Aktuellen Status fehlerfrei ins neue System übertragen

Als eine besondere Herausforderung während der SAP-Einführung erwiesen sich Prozesse wie die Neukundenanlage und die Umstellung von Haus- auf Wohnungsversorgungen. Außerdem sollte die so genannte Aktivitätendatenbank auch weiterhin zur Verfügung stehen. Diese automatisiert die gesamte Vorgangsbearbeitung der HWW wie Korrespondenz, Fristen und Wiedervorlagen. Darüber hinaus enthielt das Altsystem eine individuell programmierte Steuerung des technischen Mahnwesens – eine von mehreren für Wasserversorger wichtige Funktionen, um die die Standardlösung SAP for Utilities erweitert werden musste.

Eine zusätzliche Aufgabe bestand darin, den Status der einzelnen Vorgänge aus der zuvor eingesetzten Lösung eins zu eins im Zuge der Datenmigration zu übertragen. „Die Daten von 800.000 eingebauten und 200.000 auf Lager befindlichen Zählern, 520.000 Kunden und zehn Millionen Belegen mussten fehlerlos überführt werden“, so Peter Saile, Projektleiter bei der HWW. „DSC hat uns dabei ausgezeichnet unterstützt. Das beruht nicht zuletzt auf der hohen Fachkompetenz, den Erfahrungen der DSC-Mitarbeiter im gesamten Umfeld von SAP for Utilities und auf den Kenntnissen der zugehörigen Geschäftsprozesse.“

Die DSC-Berater waren auch noch an anderer Stelle gefordert. Um automatisierte Geschäftsabläufe zu garantieren, musste beispielsweise die wohnungsweise Wasserabrechnung im neuen Verbrauchsabrechnungs- und Informationssystem abgebildet werden. Bisher rechneten die HWW den Wasserverbrauch in Mehrfamilienhäusern über einen Hauptzähler ab. Durch den Einbau von Wohnungswasserzählern wird der individuelle Verbrauch gemessen und Gerechtigkeit bei der Abrechnung geschaffen. Um die Umstellung der Versorgung auf wohnungsweise Abrechnung effizient zu erfassen, bedurfte es systemseitig verschiedener Erweiterungen. Dazu Rohde: „Bei mehr als 30.000 Umstellungen auf die wohnungsweise Abrechnung pro Jahr war dieser Prozess zu automatisieren, da mit dem gleichen Personalbestand weitergearbeitet werden sollte.“
Michael Hausmann, Projektleiter bei DSC, erklärt: „Sobald ein Eigentümer oder Verwalter einen Antrag auf wohnungsweise Wasserabrechnung stellt, muss die im System angelegte Einzelversorgung erweitert werden. Mit einem Add-On haben wir ermöglicht, dass Sachbearbeiter die zusätzlich einzupflegenden Informationen wie Mieter, Wasserzähler, Ablesestatus etc. einfach erfassen können.“ Herr Saile beschreibt die Anwenderseite: „Der Vorteil für unsere Mitarbeiter: Sie müssen nicht zwischen einzelnen Masken hin- und herspringen, sondern können alle Informationen in einer Bildschirmmaske eingeben.“ Über die Sachbearbeiter-Oberfläche im Customer Interaction Center (CIC) – einer im SAP-System integrierten Anwendung für den Kundenservice – wird eine Frei- und Ausgabe der Zähler durchgeführt. Danach startet ein SAP-Business-Workflow.


Stammdatenänderungen automatisieren

Reicht ein Installateur den ausgefüllten Einbaubericht bei den Hamburger Wasserwerken ein, kann die dafür zuständige Abteilung mit der weiteren Datenerfassung beginnen. Aufbauend auf dem im System bisher angelegten Mehrfamilienhaus (Anschlussobjekt) mit seiner ursprünglichen Versorgung werden die neu versorgten Wohnungen (Verbrauchsstellen) mit den entsprechenden Haushalten (Geschäftspartnern) und den eingebauten Kalt- und Warmwasserzählern (Geräten) erfasst. Da zum Zeitpunkt der Erfassung nur das Datum des Zählereinbaus bekannt ist, wird der für das SAP-System notwendige Vorgang „Einzug“ durchgeführt und, bis der tatsächliche Einzug erfolgt ist, eine Ablese- und Abrechnungssperre gesetzt. Eine zügige Dateneingabe gewährleistet die „Dynamische Erfassungshilfe“, ein Add-On der DSC, um Stammdatenänderungen über SAP-Standards zu definieren und durchzuführen.


Jeder Schritt entspricht einer Aufgabe

An den softwareseitig ausgelösten Prozess schließt sich die technische Abnahme an. Das Ergebnis wird durch den verantwortlichen Außendienstmitarbeiter der HWW im System erfasst und damit für die Kundensachbearbeitung verfügbar. Die nächste Bearbeitungsstufe lässt sich mit einer im CIC enthaltenen und einer von DSC erweiterten Funktion abwickeln. Der Sachbearbeiter wählt den Zeitpunkt der abrechnungstechnischen Übernahme. Die weiteren Bearbeitungsschritte gibt das System anhand eines Fahrplans („Road-Map“) vor.
Das Projekt hat gezeigt, dass sich individuelle und komplexe Geschäftsprozesse in der Wasserwirtschaft mit SAP for Utilities und Add-Ons integriert abbilden lassen. Zusätzlich zu den heute schon vorhandenen 520.000 Kunden erwarten die HWW weitere 150.000 bis 200.000 Vertragspartner aus den noch nicht umgerüsteten Mehrfamilienhäusern. Mit dem neuen Verbrauchsabrechnungs- und Informationssystem haben sich die Hamburger Wasserwerke eine zukunftssichere Basis geschaffen.

 

 

 

 

 

 

 


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